Interview Breezy


Frage: Du bringst diese Woche deine neue CD heraus. Dein wievielte Tonträger ist das eigentlich?
Peter: *lacht* der 25-igste? Der 26-igste? Weiß ich jetzt nicht gar nicht…


Wie bist du auf dem Namen Breezy gekommen?
Das Wort Breezy steht im Englischen für lebhaft, fröhlich, Umbekümmertheit, Leichtigkeit. Das sind genau die richtigen Worte, um die Stimmung zu beschreiben, die ich beim beim Entstehen der CD hatte.


Das klingt nach entspannten Aufnahmetagen im Studio. Oder meinst du damit deine generelle Lebenssituation?
Sowohl als auch. Ich bin jetzt 62 Jahre alt und befinde mich im Herbst meines Lebens. Dies erzeugt bei mir eine gewisse Leichtigkeit, die sich hier widerspiegelt.


Was stand bei der Produktion von Breezy für dich im Vordergrund?
Eben diese Leichtigkeit. Selten ist mir das Komponieren von neuen Stücken so leicht gefallen wie jetzt. Ich muss nichts mehr beweisen, bin frei von jeglichem Druck und kann jetzt entspannt meine über die Jahre hinweg gesäten musikalischen Früchte ernten.


Was beinhaltet die CD?
Sie beinhaltet 20 Stücke und ist eine Mischung aus Eigenkompositionen, Arrangements und Songs von Freunden.


Es waren traditionellerweise auch wieder Freunde von dir bei den Aufnahmesession mit dabei.
Ja, und dieses Element gibt meiner CD die besondere Würze.


Wer spielte aller mit?

- der Tiroler Gitarrenpoet Christoph Schellhorn als Vertreter der jungen Generation österreichischer Gitarristen und Liedermacher,

- der Bad Ischler "Austronom" Manfred Madlberger, der mir mit seinem Text für meinen Song „Mein An und Olles“ ein Highlight ermöglicht hat,

- Roland Neuwirth von den Extremschrammeln,

- "Mr. Bluespumpn" Zappa Johann Cermak und Judith Pechoc, die mit Mundharmonika und Geige einige Songs veredelten

und… eine ganz besondere Freude war es mir, dass ich auch meinen alten Freund, das STS-Drittel Schiffkowitz, begrüßen durfte.


Du hast eine Gesamtspielzeit von 70 Minuten auf die CD gepackt. Das ist ungewöhnlich viel, normalerweise findest man so eine Länge nur bei Samplers. Warum ist das so?
Viele Musiker geben auf eine CD oft nicht mehr als 11 Stücke mit einer Spieldauer von 40-50 Minuten und der Rest bleibt ungenützt. Anbei bringen sie ihre früheren CDs in einer remastered Edition noch einmal heraus und verkaufen diese ein zweites Mal. Das mache ich nicht. Ich hielt den frei gelassenen Platz auf den CDs immer für Verschwendung. Daher verzichte ich auf Neuauflagen früherer CDs und habe aus meinem großen Fundus Juwelen gezielt herausgesucht, welche ich teilweise völlig neu aufgenommen und teilweise von den Originalbändern ganz neu mischen und mastern ließ. Diese füge ich als Bonus zu meinen aktuellen CDs hinzu.


Es fällt auf, dass dabei Songs von dem Album Resonances überwiegen.
Ja. Wir hatten damals in Nordengland bei den Aufnahmen im Studio eine sehr kreative Arbeitsstimmung und ich war mit der CD sehr zufrieden. Mir ist aber schon beim Mix-Prozess aufgefallen, dass sogar noch mehr drinnen gewesen wäre. Da aber das Rückfahrtticket mit der Fähre fix gebucht war, hatten wir nicht mehr die Zeit dafür, den Mix von manchen Songs noch weiter zu verfeinern und sie so vollständig zur Entfaltung kommen zu lassen.
Da ich aber damals die originalen Aufnahmebänder mitbekommen hatte, konnten wir nun hier in Österreich in aller Ruhe den Mix-Prozeß neu durchführen. Dazu kommt, dass sich in der Zwischenzeit die technischen Möglichkeiten der Studios signifikant verbessert haben. Als Ergebnis klingen die Songs jetzt exakt so, wie ich sie mir damals in Nordengland vorgestellt hatte. Speziell die neu gemixten und gemasterten Aufnahmen dieser Zeit stellen für mich ein besonderes Highlight dieser CD dar.


Wie würdest du die Stücke auf Breezy im Einzelnen beschreiben?

Mein an & olles
Dieser Song liegt besonders mir am Herzen. Mein lieber Freund Manfred Madlberger, der Austronom, hat diesen Text verfasst und ich habe dazu die Melodie geschrieben und bin von dem Gesamtergebnis mehr als nur begeistert. Sogar Schiffkowitz, der in dem Song die zweite Stimme singt, meinte, dass dieses Lied ein Ohrwurm für STS hätte sein können.

Tramhappert
Dieses Instrumental entstand als Nebenprodukt während eines Seminars Gutenbrunn. Ich erklärte meinen Schüler die offene D-Stimmung und während diese übten, entstand dieses Stück wie von selbst.

Anjii

Dieses Stück war in den 70’er Jahren ein Gradmesser für alle Gitarristen, sogar Paul Simon hat es - für ihn völlig untypisch - herausgebracht. Ich durfte den Komponisten Davy Graham 1979 bei einem von mir organisierten Folk-Festival in Graz kennen lernen und habe es als Reminiszenz an ihn neu arrangiert und aufgenommen.

Anfach schön mit dir
Ich war 1981 bei den Aufnahmen des ersten Tonträgers von STS, der Langspielplatte „Gegenlicht“, mit dabei und habe bei einigen Songs den Gitarrepart eingespielt. Es war ein lang gehegter Wunsch von mir, mein damaliges Lieblingslied „Anfach schön mit dir“ in meiner Version noch einmal gemeinsam mit Schiffkowitz aufzunehmen und ich freue mich sehr, dass es jetzt geklappt hat.

Breezy
Da ich für "Albatros" von Fleetwood Mac eine eigene Gitarrestimmung benötigte, interessierte es mich, ob noch mehr möglich wäre. Nach einigen Versuchen entstand "Breezy".

One more City
Colin Wilkie gehört zu meinen ältesten Freunden. Ich würde sehr gerne mit ihm wieder auf Tournee gehen, aber leider ist ihm  dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. So habe ich ihm zu Ehren den Song „One more City“ von den Originalbändern der CD-Nightfall überarbeitet, der Song wurde neu gemixt und ich habe auch ein neues Gitarrensolo hinzugefügt.

Sad Pig Dance
Ein wenig exotisch klingendes Instrumentalstück von Dave Evans, welches mir gerade deshalb so reizvoll erschien.

Ganz oder gar net
Bekanntlich spiele ich meine Stücke nahezu ausschließlich auf Martin-Gitarren. Ich bin aber auch im Besitz einer Resonator-Gitarre, einer National NRP-14 Resophonic und es war mit ein Anliegen, für diese Gitarre auch einmal ein eher bluesig orientiertes Stück zu schreiben. In dem Interview für die Sendung „Menschenbilder“ habe ich erklärt, dass ich keine halben Sachen mache, daraus leitet sich auch der Titel „Ganz oder gar net“ ab.

An schönen Traum
Der Song ist eine Komposition von Roland Neuwirth, der es mir mit meinen 62 Jahren besonders angetan hat. Er hat ihn anläßlich der Konzerte zu meinen runden Geburtstagen des Fünfziger und Sechziger gespielt und er trifft, was das Älter werden anbelangt, den Nagel auf den Kopf.

A Weekend in Paris
Vor 2 Jahren wurde ich als erster Österreicher dazu eingeladen, beim Festival „L’Estival Festival des Musiques" in Saint-Germain-en-Laye zu spielen. Als Erinnerung an diesen Gig und an dieses kurze, aber intensive Wochenende entstand dieses Stück.

Rosamunde/s’Schnauferl
In diesem Track habe ich zwei eigenständige Stücke zusammengefasst, da ich immer  bestrebt bin, aus dem Fundus der traditionellen Volksmusik zu schöpfen.
Dank der akribischen Vorarbeit meines unermüdlichen Tabulaturschreibers Peter Neugebauer brauchte ich anhand einer Zither-Version von Anton Karas nur noch Feinschliff betreiben.
Parallel dazu ist in der gleichen Gitarrestimmung das Stück s’Schnauferl entstanden. Da die Waldviertler Schmalspurbahn heuer ihr 125-igstes Jubiläum feiert, dachte ich mir, den Reiz dieser alten Bahn in Töne umzuwandeln.

Still, Still, Still
Nach Stille Nacht (CD Spheres) war es wieder höchst an der Zeit, mit meiner Frau Brigitte ein wenig Abwechslung in unser gemeinsames weihnachtliches Musizieren zu bringen.

Mitt’n im Regen
Es handelt sich dabei um den Song „In the early morning rain“ von Gordon Lightfoot, der von Franz Zwazl mit einem deutschen Text versehen wurde. Die Mundharmonika und Geige von Zappa und Judith geben dem Song eine ganz eigene Note.

Lady Nothings Toye Puffe
Ich habe diesen Song als Verbeugung für den vor 2 Jahren verstorbenen John Renbourn aufgenommen.

Lark in the morning
Zu meiner Freude hat sich meine Frau Brigitte wieder dazu bereit erklärt, auch für diese CD ein traditionelles irisches Harfenstück einzuspielen

That time of night/The twisted road
Zwei meiner Lieblingssongs von Michael Chapman.

Wia’s Lebn so spüt
Schon aufgrund meines exzessiven Elektrogitarrensolos, welches ich wahrscheinlich nie wieder so hinbekommen könnte, war es mir ein besonderes Anliegen diesen seltenen Moment zu dokumentieren.

Planxty Irvine
Bei den Aufnahmesessions in Greenhead war Andy Irvine mit von der Partie. Dadurch konnte ich speziell bei Planxty Irvine melodiemäßig aus dem Vollem schöpfen.

Bonnie Bessie Logan
Ganz besonders hat es mich gefreut, dass Doughie Maclean, obwohl sehr müde, nach seiner America Tour vorbeigeschaut hat, um dieses wunderschöne Lied beizusteuern.
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